Von der Kleingruppe am Familientisch, über das kooperierende Team und die Kreativgruppe zur Forschergemeinschaft – Ein Erfahrungsbericht von Daniel Davis

Die Stiftung ist für mich wie eine große Patchwork-Familie. Eine Woche lang kommen mehr als 20 Kinder, um ein Abenteuer zu erleben, das wir Sprachwerkstatt nennen. Der optimistische Papa aus Amerika, die fürsorgliche Mama aus Griechenland, die lebensfrohe Tante aus Kamerun, der verspielte Onkel aus der Schweiz und die liebevolle Schwester aus Persien begrüßen die Kinder aus aller Welt. Jeder von uns ist grundverschieden und doch eint uns eine Sache: in Darmstadt wollen wir zusammen wachsen, um zusammenzuwachsen. Kinder und Erwachsene kommen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen, besuchen unterschiedliche Schulen und Klassenstufen, sprechen unterschiedliche Muttersprachen und haben unterschiedliche Talente und Potentiale. Und doch eint sie eine Sache: sie folgen der Einladung von Bettina Bock und Anett Ebert. So viele unterschiedliche Menschen zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen zu lassen, ist für mich die größte Herausforderung der Sprachwerkstatt. Und so viel sei vorweggenommen: Es klappt! Doch wie gelingt es einen losen Verbund von einzigartigen Individuen zu einer funktionierenden Patchwork-Familie zu machen? Ich bin ganz ehrlich. Es ist der Optimismus eines Vaters, die Fürsorge einer Mutter, die Lebensfreude einer Tante, die Spielerein eines Onkels und die Liebe einer Schwester.
Über die Kleingruppe am Familientisch. Nach einem gemeinsamen Morgenlied „Guten Morgen! Gut geschlafen in der letzten Nacht? …“, dem Einblick in den Tagesplan und einem Warmup-Spiel im ganz großen Plenum begeben wir uns an die Frühstückstische. Eine unserer Regeln lautet: „„Wir gestalten unseren Alltag gemeinsam“ Beim gemeinsamen Essen kann sich jeder einen Platz wählen, wir beginnen zusammen am Tisch und erst wenn alle am Tisch fertig sind, wird aufgestanden. Wir unterhalten uns beim Essen leise. Und es gibt einen Tischdienst.“ Gesagt, getan! Die freie Platzwahl ergibt wie von Geisterhand eine faire Aufteilung und jeder Teamer speist mit seiner Kleingruppe am Familientisch. „Piep, piep, wir haben uns alle lieb, jeder ist so viel er kann, nur nicht seinen Nebenmann, und wir nehmen’s ganz genau, auch nicht seine Nebenfrau, guten Appetit, Frau Schmitt (die Kinder ergänzen: ist nicht mit!)“ Mit diesem Ritual sorgen wir dafür, dass alle gemeinsam beginnen. „Kannst du mir bitte die Butter reichen?“, „danke“, hört man leise. Wir kommen ins Gespräch, jeder isst und trinkt, jeder probiert, was aufgetischt wird. „Oh! Das ist ja doch lecker!“ Gemeinsam räumen wir ab, gemeinsam wischen wir den Tisch. Alle sind satt und glücklich, weil sie in harmonischer Ruhe ihre Bäuche füllen. Schön!
Über kooperierende Teams. Mattenrutschen in der Sporthalle. 3 Matten, 3 Teams á 8 Kinder, ein gemeinsames Ziel: Stellt euch vor ihr seid auf einem Floß. Ihr dürft den Boden nicht berühren. Versucht den Fluss zu überqueren. „1, 2, 3 und jetzt alle zusammen!“, ruft einer. Alle laufen an und springen. Platsch! Die riesige blaue Weichbodenmatte bewegt sich. Begeisterung macht sich breit. Nur dadurch, dass jeder Einzelne seinen Teil dazu beiträgt (voller Körpereinsatz), gelingt die Teamarbeit. Auch spannend war die Zusammenarbeit beim Kooperationsspiel auf dem Hof in der Sonne: Luftballon-Staffellauf Kopf an Kopf, Bauch an Bauch und Rücken und an Rücken. Neben dem Sport gibt es Impro- und Maskentheater, Rap und Stomp. Message: Ich kann was!
Über die Forschergemeinschaft. Unsere Regel: „„Wir sind eine Forschergemeinschaft“ Wir lernen zusammen und helfen uns gegenseitig. Jeder Forscher schreibt in der Projektbuchzeit auf, was er gelernt hat oder was er gern seinen Eltern, Geschwistern und Freunden erzählen möchte.“ Ausgestattet mit Klemmbrettern, Bleistiften, Tierlexika und Sachbüchern geht es an den Krötenteich. In jeder Sprachwerkstatt gibt es einen Ausflug! Nach einem spannenden Vortrag von Frau Martin vom BUND Naturschutz geht es an die Kescher, Kröten werden behutsam eingefangen, mit Lupen analysiert, auf Papieren skizziert, mit nackten Händen berührt, eine Gruppe findet Laichschnüre und Kaulquappen. Trotz der sehr großen Gruppe, gehen die Kleingruppen-Forscher tolerant und achtsam miteinander um, helfen sich gegenseitig, teilen Materialien und Aufgaben gewissenhaft und beweisen: Wir sind eine Forschergemeinschaft!